Lebenserwartung in Deutschland sinkt: Was wir tun können, um gesund zu altern

Zum ersten Mal liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland mit 81,2 Jahren unter dem EU-Durchschnitt von 81,5 Jahren. Besonders Länder wie Spanien (83,1 Jahre), Italien (83,0 Jahre) und die Schweiz (83,7 Jahre) zeigen, dass ein längeres, gesundes Leben in Europa durchaus möglich ist – bis zu drei Jahre mehr Lebenszeit im Vergleich zu Deutschland. Doch woran liegt dieser Rückstand? Und noch wichtiger: Was können wir tun, um gesund zu altern?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die größte Bedrohung

Wissenschaftliche Daten zeigen klar: Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Dies betrifft vor allem:

  • Männer im Alter zwischen 55 und 74 Jahren

  • Frauen ab dem 75. Lebensjahr

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) spielt hierbei eine zentrale Rolle. Studien aus der kardiovaskulären Präventionsforschung zeigen, dass chronisch erhöhter Blutdruck das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz massiv erhöht. Gerade bei Männern mittleren Alters ist der Anteil derer, die nichts von ihrem erhöhten Blutdruck wissen, besonders hoch – eine gefährliche Kombination aus Unwissenheit und fehlender Prävention.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), European Heart Network

Warum lebt man in Südeuropa länger?

Die Länder mit den höchsten Lebenserwartungen in Europa – darunter Spanien, Italien und die Schweiz – haben einige gemeinsame Faktoren:

1. Mediterrane Ernährung

Zahlreiche epidemiologische Studien, darunter die renommierte PREDIMED-Studie, belegen den positiven Einfluss der mediterranen Ernährung auf die Herzgesundheit. Frisches Gemüse, Olivenöl, Nüsse, Fisch und ballaststoffreiche Hülsenfrüchte sind typische Bestandteile, die entzündungshemmend wirken, die Gefäßgesundheit fördern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

2. Mehr Alltagsbewegung

In vielen Regionen Südeuropas ist Bewegung – oft in Form von Spaziergängen, körperlicher Arbeit oder alltäglicher Aktivität – fester Bestandteil des Lebensstils. Studien zeigen, dass regelmäßige moderate Bewegung das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um bis zu 30 % senken kann.

3. Kultur der Vorsorgeuntersuchungen

Gerade in der Schweiz ist die Teilnahme an regelmäßigen Gesundheits-Checks stark etabliert. Viele Erkrankungen – von Bluthochdruck über Diabetes bis zu Krebsvorstufen – werden so früh erkannt und behandelt, bevor sie schwerwiegende Folgen haben.

Quelle: European Journal of Preventive Cardiology, Lancet Public Health

Prävention bleibt Deutschlands Schwachstelle

Deutschland hinkt insbesondere in einem Bereich hinterher: Gesundheitsprävention und Früherkennung. Obwohl wir ein gut ausgebautes Gesundheitssystem haben, nutzen vergleichsweise wenige Menschen die kostenlosen Vorsorgeangebote. Besonders bei Männern zwischen 50 und 70 Jahren ist die Teilnahmequote an Vorsorgeuntersuchungen wie dem Check-up 35 oder der Darmkrebs-Früherkennung unterdurchschnittlich.

Ein Blick auf die Jugend zeigt ebenfalls Nachholbedarf: Während Länder wie Schweden oder Irland den Raucheranteil unter Jugendlichen in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch gesenkt haben, liegt Deutschland bei den 15-Jährigen mit einer Raucherrate von 17 % nur auf EU-Durchschnitt. Die Tabakprävention ist ein entscheidender Faktor, denn Tabakkonsum bleibt einer der größten Risikofaktoren für vorzeitige Sterblichkeit.

Quelle: HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children), WHO Tobacco Report 2024

Vier Säulen für ein gesundes Älterwerden

1. Ernährung optimieren

  • Mehr pflanzliche, ballaststoffreiche Lebensmittel

  • Weniger verarbeitete Lebensmittel, Zucker und rotes Fleisch

  • Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Algenöl integrieren

2. Regelmäßige Bewegung

  • Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche

  • Kombination aus Ausdauer (Spazieren, Radfahren) und Krafttraining (Muskelaufbau)

3. Vorsorge ernst nehmen

  • Regelmäßige Blutdruckkontrollen

  • Früherkennung von Diabetes und Fettstoffwechselstörungen

  • Darmkrebs- und Hautkrebsvorsorge wahrnehmen

4. Suchtprävention und Stressabbau

  • Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkoholkonsum

  • Stressmanagement durch Achtsamkeit, Yoga oder Meditation

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation, Robert Koch-Institut

Prävention: Schlüssel für gesunde Jahre

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Wir haben es selbst in der Hand, unsere Gesundheit und Lebenserwartung positiv zu beeinflussen. Prävention beginnt heute – mit einer bewussten Entscheidung für regelmäßige Gesundheits-Check-ups, einen aktiven Lebensstil und eine Ernährung, die unserem Herzen guttut.

Denn: Gesundheit ist kein Zufall – sie ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen.

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